Mit der Verordnung über Ökodesign für nachhaltige Produkte (ESPR) wird der Digital Product Passport (DPP) zu einem zentralen Treiber der europäischen Nachhaltigkeitspolitik. Er soll Transparenz über Materialien, Herkunft und Umweltauswirkungen schaffen und so den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft in der EU beschleunigen.
Für Hersteller ist die Einführung des DPP weit mehr als eine Compliance-Aufgabe. Sie bedeutet eine grundlegende Transformation von Datenarchitektur, Lieferkettensteuerung und IT-Systemen. Die folgenden fünf Herausforderungen gehören zu den wichtigsten für Unternehmen, die DPP-Readiness erreichen wollen.
Die größte Herausforderung liegt im Zugriff auf verlässliche, produktspezifische Daten, vor allem über mehrstufige Lieferketten hinweg. Viele Tier-2- und Tier-3-Zulieferer, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, verfügen weder über digitale Schnittstellen noch über standardisierte Prozesse zur Erfassung und Weitergabe von Produktdaten.
Hersteller müssen deshalb die Datenreife ihrer Lieferanten aktiv erhöhen, etwa durch vertragliche Vorgaben, Audits und digitale Werkzeuge zur Datenerfassung und -validierung. Fehlen diese Mechanismen, steigt das Risiko von Greenwashing-Vorwürfen deutlich. Unvollständige oder ungenaue Angaben erhöhen außerdem die regulatorische Haftung, da am Ende der Hersteller oder Importeur für die Produktdaten verantwortlich ist.
Ein weiteres Kernproblem ist die technologische Fragmentierung. Verbindliche EU-weite Standards für Datenmodelle, APIs und Kommunikationsprotokolle befinden sich noch im Aufbau.
Das führt leicht zu Investitionen in proprietäre Einzelsysteme, die später womöglich nicht mit EU-Plattformen oder Registern kompatibel sind. Unternehmen sollten deshalb früh auf offene Architekturen und Data-Space-Connectoren setzen, wie sie etwa von Initiativen wie Catena-X oder Manufacturing-X vorangetrieben werden. Solche Architekturen schaffen langfristige Anpassungsfähigkeit an sich verändernde regulatorische Anforderungen.
Interoperabilität ist kein technisches Detail, sondern ein strategischer Schutz gegen spätere Fehlentscheidungen.
Die EU definiert die DPP-Anforderungen schrittweise über delegierte Rechtsakte. Für viele Produktkategorien — von Textilien bis Elektronik — stehen die konkreten Regeln noch aus.
Daraus entsteht ein Dilemma: Wer früh investiert, riskiert mögliche Abweichungen von späteren Vorgaben. Wer abwartet, riskiert Fristversäumnisse. Die Lösung liegt in modularen IT-Architekturen, die sich schnell an neue Datenpunkte anpassen lassen, etwa an zusätzliche CO₂-Kennzahlen oder geänderte Reparaturberichte. Kontinuierliches Monitoring der Regulierung wird damit für alle betroffenen Unternehmen zur Daueraufgabe.
Der DPP verlangt weitreichende Transparenz, einschließlich Informationen zu Materialzusammensetzungen und Produktionsprozessen. Für viele Hersteller ist das ein sensibler Balanceakt zwischen Offenheit und Schutz von Geschäftsgeheimnissen.
Entscheidend sind technisch unterstützte Zugriffskonzepte. Nur autorisierte Akteure — etwa Recycler oder Marktüberwachungsbehörden — sollten auf die jeweils benötigten Daten zugreifen können. Gut umgesetzte Datenzugriffsrechte innerhalb eines Governance-Rahmens können IP-Risiken mindern und zugleich die Transparenzanforderungen erfüllen.
Die Umsetzung des DPP ist kein reines IT-Projekt. Es ist eine unternehmensweite Change-Management-Aufgabe, die Recht, Einkauf, Produktion, Nachhaltigkeit, IT und Service gleichermaßen betrifft.
Ohne zentrale Steuerung entstehen teure Parallelstrukturen. Cross-funktionale DPP-Taskforces mit klaren Verantwortlichkeiten — etwa Data Stewards, Legal, Procurement und IT — haben sich als wirksames Modell bewährt. Nur wenn Daten-Governance, Systemarchitektur und Compliance zusammengeführt werden, können Unternehmen die Anforderungen effizient erfüllen und zugleich neue Geschäftschancen erschließen.
Der Grad der Komplexität und der strategische Schwerpunkt unterscheiden sich je nach Branche deutlich. Textilien, Elektronik, Maschinenbau und Batterien stehen zwar alle vor dem DPP, aber nicht mit denselben Datenanforderungen, Lieferkettenstrukturen oder Transparenzrisiken. Deshalb braucht jede Branche eine eigene Umsetzungslogik statt einer Einheitslösung.
Strategische Leitlinien für Hersteller
Der DPP sollte nicht nur als regulatorische Verpflichtung, sondern auch als strategische Chance verstanden werden. Drei Leitprinzipien können Herstellern helfen, sich wirksam vorzubereiten.
Stufenweiser Rollout mit Pilotprodukten
Beginnen Sie mit kleinen, repräsentativen Pilotprojekten, um Datenlücken und Prozessprobleme frühzeitig zu erkennen. sqanit bietet außerdem Free Trials und Starter-Pakete für begrenzte Produktchargen an.
Aktive Beteiligung an Standardisierung und Data Spaces
Die Mitwirkung an Initiativen wie Catena-X, CIRPASS und ähnlichen Projekten ermöglicht es Unternehmen, die Standards mitzugestalten, die die künftige DPP-Landschaft prägen werden.
Compliance mit zusätzlichem Geschäftsnutzen
Nutzen Sie DPP-Daten, um Prozesse zu verbessern, Materialeinsatz zu optimieren und die Markenkommunikation zu stärken, statt sie nur als Reporting-Tool zu betrachten. Mit sqanit können Sie Ihren DPP um Funktionen wie einen KI-Assistenten, integrierte Webshop-Links und vieles mehr erweitern.
Die Implementierung des Digital Product Passport ist herausfordernd, aber unvermeidlich. Unternehmen, die jetzt handeln, können aus einer Pflicht eine Wettbewerbsvorteil machen. Der Erfolg hängt von robusteren Lieferketten, besserer Datenqualität, höherer Resilienz und größerem Vertrauen bei Kunden und Partnern ab.
In den kommenden Jahren wird der DPP sowohl zu einer Voraussetzung für den Marktzugang in Europa als auch zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal in einer zunehmend transparenten und zirkulären Wirtschaft.