Die EU-Kommission hat am 19. Juli 2026 das zentrale Register für den Digital Product Passport freigeschaltet, zusammen mit einer Testumgebung und den ersten User Guidelines. Damit ist die Infrastruktur live, die Artikel 13 der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (Verordnung (EU) 2024/1781) vorschreibt: ein öffentlicher Index, der jeden registrierten Produktpass erfasst und dessen Existenz bestätigt. Das Register ersetzt nicht Ihr eigenes DPP-Hosting, und es macht den DPP auch nicht ab sofort für alle Produkte pflichtig. Was sich tatsächlich geändert hat und was jetzt zu tun ist.
Was das Register macht und was nicht
Das Register ist ein Index, keine Datenbank. Wenn ein Unternehmen den Pass eines Produkts registriert, speichert das Register einen Verweis: die Produktkennung, einen Link zum Wirtschaftsakteur und einen Registrierungsnachweis. Die eigentlichen Passdaten, also Materialzusammensetzung, Reparaturhinweise, CO2-Fußabdruck, bleiben dort, wo sie schon immer lagen: beim Hersteller oder dessen DPP-Anbieter. Das ist eine bewusste Design-Entscheidung der ESPR: Die Datenhoheit bleibt bei dem Unternehmen, das die Daten erzeugt. Das Register bestätigt lediglich, dass für ein Produkt ein gültiger, normkonformer Pass registriert wurde.
Parallel dazu hat die Kommission am 17. Juli 2026 eine eigene DPP-Webseite gestartet, die Guidance, Timelines und FAQs für Unternehmen und Behörden bündelt. Beide Launches gehören zusammen: Das DPP-Programm verlässt gerade die reine Gesetzestextphase und wird zu Betriebsinfrastruktur.
Bedeutet der Live-Start, dass der DPP jetzt Pflicht ist?
Nein. Dass das Register läuft und dass eine Produktkategorie zum DPP verpflichtet ist, sind zwei getrennte Dinge. Die Pflicht folgt weiterhin dem Fahrplan der delegierten Rechtsakte, Kategorie für Kategorie. Batterien sind zuerst dran, mit Pflichtpass ab dem 18. Februar 2027. Textilien, Elektronik und weitere Kategorien folgen mit eigenen Terminen, sobald ihr jeweiliger Rechtsakt steht. Der komplette Fahrplan steht in unserer DPP-Timeline.
Was der 19. Juli tatsächlich sofort ausgelöst hat: das Vernichtungsverbot für unverkaufte Bekleidung und Schuhe bei großen Unternehmen, nach Artikel 25 und Anhang VII der ESPR. Diese Pflicht läuft unabhängig von der Passpflicht und gilt bereits jetzt.
Wie die Registrierung technisch abläuft
Jeder DPP wird über eine standardkonforme API beim zentralen Register angemeldet, nicht per manuellem Upload-Formular. Diese Anbindung hat jetzt ein technisches Fundament: Der Durchführungsbeschluss 2026/1736, zwei Tage vor dem Register-Start veröffentlicht, legt die harmonisierten Normen für Datenaustausch, eindeutige Kennungen und die API selbst fest. Ein Pass, der nach diesen Normen gebaut ist, gilt als konform mit den Registrierungsanforderungen der ESPR. Genau diese Sicherheit hat gefehlt, solange die Normen noch im Entwurf waren.
| Datum | Meilenstein |
|---|---|
| 14. Juli 2026 | Harmonisierte DPP-Normen von der Kommission verabschiedet |
| 15. Juli 2026 | Normen veröffentlicht, Durchführungsbeschluss 2026/1736 tritt in Kraft |
| 17. Juli 2026 | Neue DPP-Webseite der Kommission gestartet |
| 19. bis 20. Juli 2026 | Zentrales DPP-Register, Testumgebung und User Guidelines gehen live |
| 18. Februar 2027 | Erste Kategorie verpflichtet: Batteriepass Pflicht |
Was Hersteller jetzt konkret tun sollten
Der Register-Start erzeugt für die meisten Hersteller keine akute Aufgabe, außer Sie verkaufen Batterien im Scope. Drei Dinge lohnen sich trotzdem schon jetzt, statt auf den delegierten Rechtsakt der eigenen Kategorie zu warten:
- Testumgebung nutzen. Wenn bereits ein Pilotpass läuft, lässt sich der Registrierungsablauf jetzt zum ersten Mal gegen ein reales Kommissionssystem testen statt gegen eine Vermutung.
- Kennungsstrategie prüfen. Das Register indexiert über eindeutige Produktkennungen, GS1 Digital Link setzt sich als praktischer Trägerstandard durch. Wenn Ihre Artikel bereits GTINs tragen, sind Sie gut aufgestellt. Welche Plattformen das heute schon unterstützen, zeigt unser GS1-Digital-Link-Vergleich.
- Build-or-Buy-Entscheidung vor dem eigenen Rechtsakt treffen, nicht danach. Registrierung, API-Konformität und laufende Normenpflege sind genau die Wartungslast, die die Entscheidung Richtung Plattform kippt. Die reale Kostenrechnung steht in DPP selbst bauen oder kaufen.
dpp.cloud verfolgt die Register-API und die harmonisierten Normen für Sie. Ein Pass auf unserer Plattform registriert sich, ohne dass Ihr Team eine Zeile Integrationscode schreibt. Liegen Ihre Produktdaten schon in einem PIM, dauert die Umsetzung zwei bis drei Wochen. Wie das funktioniert, zeigt DPP erstellen aus PIM-Daten.
Nächster Schritt
Wenn Sie wissen wollen, wo Ihre Produktdaten im Verhältnis zu den Kennungs- und Registrierungsanforderungen des Registers stehen, buchen Sie eine 30-minütige Strategiesession. Wir gleichen Ihre aktuellen Daten mit den Anforderungen des Registers ab und geben Ihnen eine realistische Timeline.
.jpeg)

%201.png)
