Wer seine Produktdaten in Akeneo pflegt, hat den größten Teil der DPP-Arbeit schon hinter sich. Materialzusammensetzung, Herkunft, Pflegehinweise, Zertifikate: Genau diese Attribute verlangt die ESPR, und genau diese Attribute liegen bereits strukturiert in Ihrem PIM. Was fehlt, ist ein Connector, der sie ins DPP-Format überträgt, validiert und pro Produkt oder pro Einheit einen QR-Code erzeugt. Das dauert zwei bis drei Wochen und ist kein IT-Projekt.
Dieser Artikel zeigt, wie die Akeneo-Anbindung konkret abläuft: was gemappt wird, was automatisch läuft, wo typischerweise Lücken auftauchen und was das Ganze kostet.
Warum Akeneo-Nutzer im Vorteil sind
Die Ökodesign-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1781) ist seit Juli 2024 in Kraft. Am 19. Juli 2026 wird sie vollständig anwendbar, am selben Tag geht das zentrale DPP-Register der EU in Betrieb. Ab dann werden Produktkategorien schrittweise über delegierte Rechtsakte in die Passpflicht geholt. Der ESPR-Arbeitsplan 2025 bis 2030 der EU-Kommission nennt unter anderem Textilien, Möbel, Reifen sowie Eisen, Stahl und Aluminium als erste Kategorien.
Der aufwendigste Teil eines DPP-Projekts ist fast nie der Pass selbst, sondern das Sammeln und Strukturieren der Produktdaten. Ein Hersteller, der Produktinformationen in Excel-Listen und ERP-Fragmenten hält, muss erst ein Datenfundament bauen. Als Akeneo-Nutzer haben Sie das bereits:
- Attribute sind strukturiert und typisiert
- Varianten und Produktmodelle sind sauber getrennt
- Lokalisierungen existieren pro Attribut
- Die REST-API macht alles zugänglich
Deshalb dauert das typische Akeneo-Projekt bei dpp.cloud zwei bis drei Wochen. Die Datenarbeit ist erledigt. Übrig bleiben Mapping, Validierung und QR-Erzeugung.
So funktioniert die Integration
Der Connector sitzt zwischen Ihrer Akeneo-Instanz und dpp.cloud. Akeneo bleibt die führende Datenquelle. Niemand erfasst Daten doppelt, Ihr Team arbeitet in Akeneo weiter wie bisher.
Im Hintergrund laufen vier Schritte:
- Synchronisation: Akeneo meldet Produktänderungen per Webhook, alternativ fragt der Connector die REST-API periodisch ab. Neue SKU, geändertes Attribut, gelöschtes Produkt: alles kommt automatisch an.
- Mapping: Eine Mapping-Datei legt fest, welches Akeneo-Attribut welches DPP-Feld speist. Aus
materialwird die Materialzusammensetzung, auscare_labelwerden Pflegehinweise, auscountry_of_origindie Herkunftsangabe. - Validierung: Der Connector prüft Pflichtfelder, Formate und erreichbare Links. Produkte mit Lücken werden markiert, Ihr Team sieht genau, was nachzupflegen ist.
- QR-Erzeugung: Jedes Produkt (oder jede Einheit, dazu gleich mehr) bekommt einen QR-Code, der auf seinen Pass zeigt. Der Code lässt sich in ein Akeneo-Attribut zurückschreiben, damit Ihr Etiketten-Workflow ihn ohne Zusatzschritt übernimmt.
Was auf was gemappt wird
Ein typisches Basis-Mapping für einen Textil- oder Möbelhersteller sieht so aus:
| Akeneo-Attribut | DPP-Feld |
|---|---|
material / composition | Materialzusammensetzung |
care_label | Pflege- und Wartungshinweise |
certifications | Normen und Label |
country_of_origin / Lieferantendaten | Herkunftsangaben |
dimensions, weight | Physische Eigenschaften |
| Medien-Assets (Anleitungen, Datenblätter) | Dokumentations-Links |
In den meisten Projekten existieren rund 80 Prozent der benötigten Felder bereits in Akeneo. Der Rest sind neue Attribute, die Sie einmalig anlegen, meist für Kreislaufwirtschaftsdaten. Die Vorarbeiten des Joint Research Centre zu Textilien listen 49 Datenpunkte in vier Kategorien, und die Lücken sitzen fast immer an derselben Stelle: Recyclingfähigkeit, Reparierbarkeit, Rücknahme. Drei bis fünf neue Akeneo-Attribute schließen sie.
Produktebene oder Seriennummern-Ebene?
Die ESPR verlangt Pässe je nach Kategorie auf Modell-, Chargen- oder Einzelstück-Ebene. Die meisten Plattformen können nur Produktebene. dpp.cloud erzeugt auf Wunsch einen Pass pro physischer Einheit, weil unter jedem Pass eine individuelle digitale Identität liegt.
Wozu das gut ist? Ein Pass pro Einheit dokumentiert, was mit genau dieser Einheit passiert: Reparaturen, Besitzerwechsel, Aufarbeitung. Das ist der Unterschied zwischen einem statischen Datenblatt und einer Infrastruktur, auf der Garantie-Automatisierung und Second-Life-Programme laufen. Die Umsatzseite haben wir in diesem Artikel über After-Sales-Umsatz aus QR-Scans durchgerechnet.
Wenn Sie für die Compliance nur Modell-Ebene brauchen, geht das genauso. Die Granularität lässt sich später pro Kategorie umstellen, ohne die Integration neu zu bauen.
Ein realer Projektverlauf
So läuft ein Akeneo-Onboarding bei uns ab, das Muster stammt unter anderem aus dem Projekt mit einem europäischen Hersteller von Kindermöbeln und -textilien mit rund 600 aktiven SKUs:
- Tag 1: Kickoff. Welche Kategorien, welche Attribute, welche Granularität. Zwei bis drei Stunden.
- Tag 2 bis 7: Daten-Review in Akeneo. Vollständigkeitscheck, Lückenliste, Entscheidung über neue Attribute.
- Tag 7 bis 10: Mapping-Call. Ihr Team und unseres definieren das Attribut-Mapping, inklusive Umgang mit Lokalisierungen.
- Tag 10 bis 14: Technisches Setup. API-Zugänge, Connector-Konfiguration, neue Attribute anlegen.
- Tag 14 bis 17: Pilot. Ein Produkt komplett durch, vom Akeneo-Attribut bis zum scanbaren Pass. Abnahme.
- Ab Tag 17: Rollout über den Katalog, QR-Codes in den Etikettenprozess.
Ehrlicherweise: Die Technik ist der schnelle Teil. Die Abstimmung mit der Etikettendruckerei und das physische Aufbringen der QR-Codes dauern länger als die Software. Planen Sie das ein.
Was es kostet
dpp.cloud hat feste Jahrespreise. Growth für 10.500 Euro pro Jahr (5 Nutzer), Professional für 17.500 Euro pro Jahr (25 Nutzer). Akeneo-Connector, Mapping-Setup und API-Traffic sind enthalten. Es gibt keine Gebühren pro SKU oder pro Sync, der Preis wächst also nicht mit Ihrem Katalog. Details auf der Preisseite.
Zum Vergleich: Eine selbst gebaute DPP-Integration kostet erfahrungsgemäß 30.000 bis 50.000 Euro Entwicklungsaufwand, bevor der erste Pass validiert ist, und die Wartung bleibt danach bei Ihnen. Den vollständigen Vergleich finden Sie in unserem DPP-Software-Kaufratgeber.
Wann anfangen?
Dass das Register am 19. Juli 2026 startet, heißt nicht, dass jede Kategorie ab diesem Tag einen Pass braucht. Textilien werden realistisch Ende 2028 oder 2029 verpflichtend, etwa 18 Monate nach dem delegierten Rechtsakt. Den vollständigen Zeitplan finden Sie in unserer DPP-Timeline.
Der Grund, früher anzufangen, ist praktisch, nicht regulatorisch. Datenlücken brauchen Monate, sobald Lieferanten beteiligt sind. Etikettenzyklen sind lang. Und ein Pass, der vor der Deadline live ist, kostet nichts extra, sondern ist ein Kundenkontaktpunkt, der Ihnen bereits gehört. Die Hersteller, die wir aktuell onboarden, behandeln die Compliance als Eintrittskarte und bauen ihren After-Sales-Kanal darauf auf.
Der nächste Schritt
Sie arbeiten mit Akeneo und wollen wissen, was Ihr konkretes Setup braucht? Buchen Sie eine 30-minütige Strategy Session. Wir schauen gemeinsam auf Ihre Attributstruktur, benennen die Lücken und geben Ihnen einen konkreten Zeitplan samt Preis. Ohne Folienschlacht.
.jpeg)

%201.png)
